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Transgenerationale Muster

Aktualisiert: vor 4 Minuten

Warum wir immer wieder bei denselben Problemen landen


Über unbewusste Prägungen, alte Schutzstrategien und die Frage, wie Veränderung wirklich gelingt.

Wir wechseln Städte, Berufe, Partnerschaften oder unser Leben und nehmen manche unserer Probleme trotzdem mit. Ein neuer Job, ein neues Umfeld und irgendwann sitzen wir wieder einem Menschen gegenüber, bei dem wir uns klein, übergangen oder nicht gesehen fühlen. Wir nehmen uns fest vor, beim nächsten Mal früher eine Grenze zu setzen und sagen im entscheidenden Moment doch wieder Ja. Besonders interessant wird es, wenn wir längst erkannt haben, was da passiert. Wir können unser Verhalten erklären, kennen unsere Trigger und wissen ziemlich genau, was wir beim nächsten Mal anders machen wollen. Und trotzdem landen wir wieder an einem ähnlichen Punkt.


Neue Beziehung. Neuer Job. Neues Leben. Altes Muster.

Viele dieser Muster entstehen durch Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben. Schon früh lernen wir, wie Beziehungen funktionieren, wie mit Gefühlen und Konflikten umgegangen wird und welches Verhalten uns Sicherheit, Anerkennung oder Zugehörigkeit gibt. Ein Kind passt sich seiner Umgebung an. Es beobachtet, reagiert und entwickelt daraus Strategien, die ihm helfen, mit seiner Welt zurechtzukommen.

Wer beispielsweise früh lernt, dass Harmonie wichtig ist und Widerspruch zu Spannungen führt, kann daraus eine einfache innere Regel entwickeln: Wenn ich mich anpasse, bleibt die Verbindung bestehen. Jahrzehnte später ist diese Strategie längst nicht mehr notwendig und kann trotzdem weiterwirken. Wir spüren Unruhe oder Schuld, wollen niemanden enttäuschen und sagen wieder Ja. Manche dieser Muster wiederholen sich in unterschiedlichen Lebensphasen so lange, bis wir verstehen, was dahinterliegt und beginnen, sie zu verändern. Doch was, wenn manche dieser Muster gar nicht bei uns beginnen?

 

Muster wiederholen sich so lange, bis sie erkannt und gelöst werden.

Der Ursprung unserer Prägungen liegt nicht immer nur in der eigenen Kindheit. Manche reichen weiter zurück, in die Geschichte unserer Familie. Aus systemischer Sicht wachsen wir als Teil eines Familiensystems auf und übernehmen meist unbewusst bestimmte Vorstellungen und Verhaltensweisen. Wir lernen, wie Beziehungen geführt werden, wie mit Gefühlen und Konflikten umgegangen wird und welche Rolle wir innerhalb der Familie einnehmen. Auch Ängste, Schuldgefühle, Erwartungen und Loyalitäten können auf diese Weise über Generationen weitergetragen werden.



Transgenerationale Muster
Transgenerationale Muster

Hat beispielsweise eine Großmutter durch Krieg oder Flucht erfahren, dass Sicherheit jederzeit verloren gehen kann, kann dies ihren Umgang mit den eigenen Kindern prägen: Vorräte werden gehortet, Risiken vermieden, Kontrolle und Sparsamkeit bekommen einen hohen Stellenwert. Die nächste Generation wächst mit diesen Regeln auf, ohne die ursprüngliche Erfahrung selbst gemacht zu haben, und gibt möglicherweise etwas davon an die eigenen Kinder weiter.

Bei Tieren weiß man, dass bestimmte epigenetische Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Auch beim Menschen gibt es Hinweise auf generationenübergreifende Effekte. Extreme Erfahrungen wie Hunger, Krieg oder schwere Belastungen können epigenetische Spuren hinterlassen. Dabei verändert sich nicht unsere DNA selbst, sondern die Regulation bestimmter Gene.


Solche transgenerationalen Muster werden vor allem über Verhalten, Erziehung, Bindung und Familiengeschichten vermittelt. Manches wird offen ausgesprochen, anderes wird vorgelebt oder bleibt als unausgesprochene Regel innerhalb einer Familie bestehen.


Den Kreislauf durchbrechen
Den Kreislauf durchbrechen

Genau hier kommen wir zurück zu unseren eigenen Mustern. Denn unabhängig davon, wo eine Angst, eine Überzeugung oder eine bestimmte Reaktion ihren Ursprung hat, erleben wir ihre Wirkung im Hier und Jetzt. Und genau deshalb reicht Verstehen manchmal nicht aus. Solche Muster sind mit Gefühlen, Erinnerungen und körperlichen Reaktionen verbunden. Wir können längst wissen, dass wir heute Nein sagen dürfen, und trotzdem entsteht im entscheidenden Moment dieses vertraute Gefühl von Schuld, Angst oder drohendem Verlust.


Wir müssen den Ursprung nicht kennen, um das Muster zu verändern.

Hier kann Hypnose einen Zugang eröffnen. In Trance können wir einer solchen Reaktion folgen und erkunden, mit welchen früheren Erfahrungen sie verknüpft ist. Taucht etwa eine Situation auf, in der ein Nein mit Ablehnung oder Rückzug verbunden war, können gezielt die Ressourcen aktiviert werden, die damals gefehlt haben: Geborgenheit, Verständnis oder die Erfahrung, auch mit einem Nein angenommen zu sein. Innere Vorstellungen können dabei sehr reale Gefühle und körperliche Reaktionen hervorrufen. Eine neue Erfahrung wird dadurch nicht nur gedacht, sondern emotional erlebt. Aus der alten Verknüpfung „Wenn ich Nein sage, verliere ich die Verbindung“ kann so eine neue entstehen: „Ich darf eine Grenze setzen und trotzdem verbunden bleiben.“

 

Auch bei transgenerationalen Mustern müssen wir ihren Ursprung nicht kennen, um mit ihrer heutigen Wirkung arbeiten zu können. In Hypnose gehen wir von dem Gefühl oder der Reaktion aus, die sich im gegenwärtigen Leben zeigt. Dabei können Bilder, Erinnerungen oder Assoziationen auftauchen, die nicht als historische Wahrheit verstanden werden. Entscheidend ist, was sie emotional ausdrücken. So kann beispielsweise die Erkenntnis entstehen: „Diese Angst gehört nicht zu meinem heutigen Leben.“ Eine übernommene Rolle oder Belastung kann innerlich abgegrenzt werden. Sicherheit und Selbstwirksamkeit können an ihre Stelle treten: „Ich bin heute sicher. Ich darf mein eigenes Leben führen.“


Durch diese Neubewertung kann die alte Reaktion an Kraft verlieren und einer neuen inneren Haltung und einem anderen Verhalten Raum geben. Wir müssen also nicht immer wissen, wo ein Muster ursprünglich begonnen hat, um mit seiner Wirkung arbeiten zu können. Wir können unsere Vergangenheit nicht verändern. Doch wir können verändern, was wir aus ihr in unsere Zukunft mitnehmen.


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Boriana Jürgens-Rosenmüller August 2026

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