Was ich über Selbstheilung verstanden habe
- Boriana Jürgens-Rosenmüller

- 2. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Die Kraft von Suggestion & Imagination
Wenn ich von Selbstheilung spreche, denken viele Menschen vielleicht an etwas Mystisches oder schwer Greifbares. Dabei sind sie etwas zutiefst Natürliches. Selbstheilung meint für mich: Körper, Geist und Seele wieder in ein inneres Gleichgewicht zu bringen. Heilung entsteht durch bewusste Zuwendung. Oft beginnt sie, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen. Unser natürlicher Organismus ist darauf ausgelegt, sich zu regulieren.
Die Wirkung unserer Gedanken

Unsere Gedanken spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir alle wissen, dass Gedanken innere Zustände erzeugen – und dass aus diesen Zuständen Wirkungen entstehen. Gedanken beeinflussen unser Empfinden, unsere Körperhaltung (nonverbale Kommunikation), unsere Atmung, unsere Emotionen. Mich fasziniert immer wieder, wie ein einziges Wort, ein Blick oder ein Gedanke plötzlich enorme Energie in Bewegung setzen kann – im Guten wie im Belastenden. Sie haben einen großen Einfluss auf unsere Stressreaktionen, den Hormonhaushalt, das Immunsystem und die Regulation des Nervensystems.
Bis heute gibt es keine abschließende wissenschaftliche Erklärung dafür, wie Gedanken entstehen. Zwar lässt sich Hirnaktivität messen, doch Gedanken selbst sind kein messbares Objekt, sondern inneres Erleben.
Forscher der Queen’s University in Kingston, Ontario (Kanada) gehen heute davon aus, dass wir täglich tausende Gedanken haben – aktuelle Studien, die neuronale Aktivität über den Tag messen, kommen auf ungefähr 6.000 Gedanken pro Tag. Ein Großteil unserer Gedanken ist wiederholend und oft nicht bewusst gesteuert. Untersuchungen im Bereich der Allgemeinen Psychologie und Achtsamkeitsforschung betonen, dass viele Menschen eher zu besorgten, kritischen oder problemorientierten Gedanken neigen. Der Anteil positiver und unterstützender Gedanken ist dabei erstaunlich gering.
Wir sind was wir glauben
Unsere inneren Überzeugungen prägen maßgeblich, wie wir uns fühlen – und wie unser Körper reagiert. Wer also dauerhaft in Angst, innerem Druck oder Stress lebt, versetzt den Körper in einen chronischen Alarmzustand. Umgekehrt können Zuversicht, innere Bilder von Sicherheit und Vertrauen messbar beruhigend wirken. Dabei geht es nicht um oberflächliches „positiv Denken“. Verdrängung wirkt nicht heilend. Im Gegenteil: Wenn unangenehme Gefühle keinen Raum bekommen, binden sie Energie.
"Heilung beginnt dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen."

Die Kraft der Imagination
Uns Menschen ist die Fähigkeit zur Vorstellungskraft gegeben – und aus meiner Sicht nutzen wir sie viel zu wenig. Imagination ist weit mehr als Fantasie. Sie ist ein direkter Zugang zu unserem inneren Erleben und steht in enger Verbindung mit unserer Suggestibilität.
Suggestibilität bezeichnet die Empfänglichkeit eines Menschen für innere oder äußere Einflüsse, insbesondere für Worte, Bilder, Erwartungen oder Stimmungen, die Denken, Fühlen oder Handeln beeinflussen können. In Stresssituation, Angst, Unsicherheit sind wir am suggestibelsten und genau das macht es auch so gefährlich. Denn meist schenken wir der westlichen Medizin mehr Glauben als uns selbst. Ärztliche Diagnosen beeinflussen unseren Krankheitsverlauf oft stärker als uns bewusst und lieb ist.
Ärztliche Diagnosen beeinflussen unseren Krankheitsverlauf weitmehr als uns bewusst und lieb ist.
Joe Dispenza, ein US-amerikanischer Autor, Dozent und Forscher auf dem Gebiet von Neuroplastizität und Meditation erlitt nach einem schweren Fahrradunfall mehre Wirbelsäulenbrüche. Ärzte prognostizierten ihm eine langwierige Operation mit ungewissem Ausgang. Stattdessen entschied er sich gegen den chirurgischen Eingriff und begann, sich intensiv mit der Wirkung von Gedanken, inneren Bildern und mentalem Training auf den Körper zu beschäftigen. Durch tägliche Visualisierung und meditative Zustände stellte er sich vor, wie seine Wirbelsäule heilt. In einem Interview erzählt er, dass er sich in Zukunft nichts mehr vorstellen wird, was er nicht bereit ist, wirklich zu erleben. Dieser Satz hat sich mir tief eingeprägt.

Und auch der Lebensweg von Milton H. Erickson ist untrennbar mit dem Thema Selbstheilung verbunden. Was er auch später lehrte und in Hypnose praktizierte. Erickson erkrankte bereits als Jugendlicher schwer an Polio. Mit 17 Jahren war sein Körper nahezu vollständig gelähmt. Ärzte gingen davon aus, dass er sterben oder lebenslang bewegungsunfähig bleiben würde. Er konnte weder sprechen noch sich bewegen, nur seine Augen waren noch minimal steuerbar.
In dieser völligen Einschränkung begann etwas Entscheidendes: Er hatte nichts mehr zur Verfügung als seinen Geist, seine Wahrnehmung und seine innere Aufmerksamkeit. Statt zu resignieren, begann Erickson zu beobachten. Er studierte kleinste innere Regungen, minimale Muskelimpulse, Erinnerungen an Bewegung. Er rief sich bewusst das Gefühl ins Gedächtnis, wie Gehen sich anfühlt – nicht abstrakt, sondern sinnlich. Er stellte sich vor, wie Muskeln arbeiten, wie Gewicht verlagert wird, wie Gleichgewicht entsteht. Diese inneren Bilder waren keine Fantasien, sondern hochkonzentrierte mentale Zustände, die heute als tiefe Trance oder fokussierte Imagination beschrieben würden.

Diese Biografien haben meine Überzeugung gefestigt, dass Heilung mehr ist als äußere Behandlung. Sie haben mich dazu geführt, meine eigenen Selbstheilungskräfte bewusst zu aktivieren – und mich vor einigen Jahren auch in Hypnose ausbilden zu lassen. Ich sehe Schulmedizin als wertvolle und oft lebensnotwendige Grundlage. Gleichzeitig glaube ich, dass Heilung umfassender wird, wenn wir den Menschen helfen sich wieder mit sich selbst zu verbinden. Gerade hier kann Imagination eine entscheidende Rolle spielen. Wenn wir uns in hypnotischer Trance etwas lebhaft vorstellen, reagiert der Körper häufig so, als wäre es real. In Hypnose können unter anderem Themen wie Stress, Ängste, innere Blockaden, psychosomatische Beschwerden, chronische Schmerzen, Schlafstörungen oder belastende Gewohnheiten aufgelöst werden. Ebenso eignet sich Hypnose zur Stärkung von Selbstvertrauen, zur Ressourcenaktivierung, zur Verarbeitung von Erfahrungen und zur Begleitung von Veränderungsprozessen. Dabei geht es nicht um Kontrolle oder Manipulation, sondern um positive Suggestionen und innerem Erleben – immer im Einklang mit dem Menschen und seinen Möglichkeiten.
Boriana Jürgens-Rosenmüller, Berlin 2. Februar 2026






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