KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VS. MENSCHLICHE INTUITION
- Boriana Jürgens-Rosenmüller

- vor 7 Tagen
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Verlernen wir im Zeitalter der KI unsere wichtigste menschliche Fähigkeit?
Noch nie in der Geschichte hatten wir Zugang zu so viel Wissen und so vielen Informationen. Gleichzeitig fällt es uns immer schwerer, zwischen Wahrheit und Meinung, Manipulation und Wirklichkeit zu unterscheiden. Künstliche Intelligenz beantwortet unsere Fragen, Algorithmen bestimmen, welche Inhalte wir sehen, und Deep Fakes verwischen zunehmend die Grenzen zwischen echt und künstlich.

Während wir immer mehr Zeit darauf verwenden, äußere Informationen zu prüfen und digitale Fälschungen zu entlarven, verlieren wir zunehmend den Zugang zu einer Fähigkeit, die wir von Geburt an besitzen: die Fähigkeit, uns selbst wahrzunehmen und das feine Gespür, das wir INTUITION nennen. Was, wenn unsere Zeit nicht nach noch mehr Wissen verlangt, sondern nach einem stärkeren Vertrauen in uns selbst?
„Je mehr Orientierung wir im Außen suchen, desto größer scheint die Verunsicherung zu werden.“
Lange bevor wir sprechen können, nehmen wir die Welt wahr. Noch bevor wir verstehen, was um uns herum geschieht, spüren wir, ob etwas vertraut oder fremd wirkt. Ob Nähe entsteht. Ob wir uns sicher fühlen. Unser Körper nimmt all das wahr, bevor wir es benennen können. Dieses ursprüngliche Gespür verschwindet nicht. Es tritt lediglich in den Hintergrund. Der Zugang dazu lässt sich wieder stärken. Wir können lernen, dieser inneren Kraft mehr Raum zu geben.

„Die fünf Sinne“ von Hans Makart zeigt weit mehr als weibliche Akte. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung selbst – die Art, wie wir die Welt erleben. Die Frauenfiguren wirken wie Naturwesen oder Göttinnen. Der Körper erscheint dabei als sensibles Instrument.
Wir verfügen über unterschiedliche Formen der Wahrnehmung, die bei jedem Menschen verschieden stark ausgeprägt sind. Die klassischen fünf Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – galten lange Zeit als die einzigen Sinneswahrnehmungen. Heute weiß man, dass unser Wahrnehmungssystem deutlich komplexer ist. Unser Körper nimmt ständig Informationen auf, ohne dass wir es aktiv bemerken. Er registriert zum Beispiel den Herzschlag, die Atmung, Hunger, Anspannung oder innere Unruhe. Diese Signale werden dann im Gehirn verarbeitet – besonders in Bereichen, die eng mit Emotionen und Körpergefühl verbunden sind.
Diese Form der inneren Wahrnehmung nennt man INTEROZEPTION. Sie hilft uns zu spüren, wie es uns körperlich und emotional geht. Manche Menschen haben einen sehr guten Zugang zu diesen Signalen, andere nehmen sie kaum noch bewusst wahr. Die Interozeption beeinflusst unser Körpergefühl, unsere Emotionen und oft auch unsere Intuition. Häufig spüren wir schon körperlich, dass uns etwas guttut oder stresst, noch bevor wir es mit dem Verstand erklären können.
Vielleicht werden Intuition und die Fähigkeit, sich selbst wieder besser wahrzunehmen, zu einer der wichtigsten menschlichen Kompetenzen unserer Zeit.
Viele therapeutische Ansätze arbeiten gezielt mit Körper- und Sinneswahrnehmungen. Sie nutzen die Fähigkeit des Körpers, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Auch Hypnose setzt genau hier an. In einem Zustand fokussierter Aufmerksamkeit treten äußere Reize in den Hintergrund und der Blick richtet sich nach innen. Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, innere Bilder und Körperempfindungen können bewusster wahrgenommen werden. So entsteht Zugang zu unbewussten Prozessen, die unser Erleben, unsere Entscheidungen und unser Verhalten maßgeblich beeinflussen. Anstatt alles über den Verstand lösen zu wollen, entsteht die Möglichkeit, wieder mit einer tieferen Ebene der eigenen Wahrnehmung in Kontakt zu kommen – mit dem, was der Körper oft schon weiß, bevor es in Worte gefasst werden kann.
Boriana Jürgens-Rosenmüller Berlin, Juni 2026




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